Restaurierungsbericht
   
   
 

Die Orgel der Basilika auf dem Sonntagberg von

 

Franz Xaver Christoph 1776

   
  In der Orgel auf dem Sonntagberg konnten leider keinerlei Inschriften bezüglich
  des Erbauers gefunden werden. Jedoch kann durch den erhaltenen Orgelvertrag
  mit Sicherheit gesagt werden, dass diese Orgel ein Werk von Christoph, der in
  Wien ansässig war, ist.
   
  1872 wurden die Hauptwerksladen von Josef Unterberger aus Innsbruck umgebaut
  und um ein Zungenregister, der Posaune16´, erweitert.
   
  Kleine Änderungen erfolgten unter Prof. Josef Mertin in den Jahren nach dem
  Zweiten Weltkrieg (1945-1982). Er war in diesen Jahren der kundige und
  wertvolle Betreuer der Orgel. Zur Verstärkung des Pedals baute Mertin 1961 eine
  Posaune 8´ ein. Diese Veränderungen wurden im Zuge der Restaurierung wieder
  rückgängig gemacht.
   
  Nach einer genauen fotografischen Dokumentation wurden vor dem Ausbau der
  Pfeifen Windproben unternommen um feststellen zu können, welchen Druck die
  Pfeifen, in diesem Zustand, zulassen. Die einzelnen Register wurden sorgfältig mit
  Papierstreifen beschriftet, um eine Fremdbezeichnung zu vermeiden. Nach dem
  ersten Augenschein konnte festgestellt werden, dass alle Pfeifen wieder instandge-
  setzt werden können. Die Pfeifen vom Prinzipalbass 16´ wurden an Ort und Stelle
  belassen, um diese nicht durch den Transport und die Lagerung zu beschädigen.
  Diese wurden in der Kirche überholt und mit einer Aufhängung versehen, um das
  Absinken der schweren Körper zu vermeiden. Alle anderen Pfeifen wurden in
  unserer Pfeifenwerkstatt gereinigt, neu ausgerundet, nachgelötet und angelängt.
  Die Holzpfeifen wurden nachgeleimt und ausgebrochene Stücke neu eingesetzt
  sowie der Quintbass angelängt.
  Selbstverständlich wurden alle Pfeifen vermessen und dokumentiert. Dabei wurde
  ersichtlich, dass 96 % des Pfeifenmaterials noch original erhalten ist.
  Die gesamte Orgel wurde vermessen und aufgenommen, um genaue Pläne des
  gesamten Werks zu erstellen.
  Der Spieltisch wurde komplett überholt. Die ausgegriffenenen Tasten der
  Mittellage wurden neu belegt, die Achspunkte mit einer Bucheneinlage versehen.
  Fehlende Arkaden beider Manuale wurden nachgeformt und aufgeleimt.
  Die Registermechanik war an den Achsstellen sehr angeschlagen und eingerostet.
  Wir haben sämtliche Stellen mit Hartholz ausgebüchst, somit die Leerreise
  günstiger wurde.
Die Eisenwinkel wurden gängig gemacht und gefettet.
  Das nicht originale Pedal und das Notenbrett wurden entfernt und nach dem
  Vorbild der Minoritenorgel in Wien ersetzt. Dieser Spieltisch stammt ebenfalls
  von Christoph.
  Die Windladen wurden alle langsam neu ausgegossen, um keine unnötige
  Feuchtigkeit an das alte Holz zu bringen. Gerissene Kanzellen wurden mit altem
  Holz neu eingespundet, die Ventile abgerichtet und mit einfachem Schaflederbelag
  wieder belegt. Die Ventilfedern waren nicht mehr alle vom Erbauer und
  wurden zum Teil neu gefertigt. Die Schleifenbahnen wurden, wo nötig, mit neuem
  Leder versehen.
  Die Pedallade war, -um Platz für eine später eingebaute Posaune zu bekommen-, um
  den Stock des Quintbasses abgeschnitten worden. Diese wurde in alter Manier
  wieder angeschiftet und genau auf die alte Tiefe gebracht, da wir noch einen Klotz
  gefunden haben, der die Lade auf dem Lager fixiert.
  Da in allen alten Schriften vermerkt ist, dass das Pedal zu wenig Wind hat, und
  auch nach unseren Berechnungen auf alle Fälle mehr Ventileinlassfläche benötigt
  wird, durften wir im Einvernehmen mit dem Bundesdenkmalamt ein zweites Ventil
  einbauen, welches durch die abgesägte Windlade keinen großen Eingriff in die
  alte Substanz bedeutet.
  Die 16´ Laden des Prospektes wurden rekonstruiert und mit den alten
  wiedergefundenen Kondukten versehen. Die von Prof. Mertin eingebauten Laden
  wurden entfernt.
  Die Spiel und Registertraktur wurde sorgfältig und genauest überarbeitet. Alle
  originalen Lagerstifte wurden erhalten und neu gelagert, alle nicht alten Stifte
  entfernt und durch neue, gleich starke Lagerstifte, ersetzt.
  Die Balganlage mit ihren vier Keilbälgen konnte anhand zweier, nicht mehr ganz
  erhaltenen, Grundplatten rekonstruiert werden. Diese Keilbälge entsprechen in
  ihren Ausmaßen genau dem Original. Ein besonderer Antrieb der Bälge ermöglicht
  ein Orgelspiel, als ob man wie früher von Hand die Bälge aufziehen würde. Und das
  kann man natürlich auch.
  Das Gehäuse war in recht ordentlichem Zustand. So mussten nur zwei Türen
  erneuert werden, einige Risse geschlossen und schadhafte Teile ausgebessert
  werden. Das ganze Gehäuse wurde wegen Wurm bekämpft. Alle Holzteile, welche
  wir in der Werkstatt hatten, wurden begast und mit einem Holzschutzmittel
  behandelt.
   
  Die Intonation und Stimmung der Orgel ist vorsichtig im Sinne von Franz Xaver
  Christoph erfolgt, dessen Arbeiten ihn zu einem hochstehenden Orgelbauer seiner
  Zeit emporheben.
   
   
   
   
  Disposition der Christoph Orgel
   
   
       
  Hauptwerk Positiv Pedal
       
  Principal 8´ Copel 8´ Principalbass 16´
  Waltflaut 8´ Principal 4´ Subbass 16´
  Viola di Gamba 8´ Fleten 4´ Principal 8´
  Salicinal 8´ Fugara 4´ Oktavbass 8´
  Oktav 4´ Quint 3´ Violoncelo 8´
  Fleten 4´ Oktav 2´ Quintbass 6´
  Quint 3´ Mixtur 1 1/3 5fach Cornet 4´
  Octav 2´    
  Sequealtra    
  Mixtur Major 2´ 5fach    
  Mixtur Solo 3-5 fach    
     
     

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